Der Sache eine Chance geben

Interview mit GO.KNIGHTS Geschäftsführer Holger Völling

Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Holger Völling

Im kommenden Sommer soll mit der ELF (European League of Football) erneut eine professionelle American Football Liga in Europa an den Start gehen. Nach AFLE (American Football League of Europe 1994-95) und NFLE (NFL Europa 1991-2007) ist es bereits der dritte Versuch eine professionelle Liga in Europa zu etablieren. Das Projekt wird wahrlich nicht überall positiv aufgenommen. Holger Völling (Geschäftsführer Sport GO.KNIGHTS FOOTBALL GmbH) äußert sich im Interview zur ELF und was diese für die VfL Oldenburg Knights bedeutet.

Herr Völling im nächsten Jahr wird ein erneuter Versuch gestartet eine professionelle American Football Liga in Deutschland zu etablierten. Eine Chance für den American Football in Deutschland?

Ich sehe erst einmal Chancen ohne dabei die Risiken auszublenden. Grundsätzlich sind wir allem neuen gegenüber offen und wollen das nicht direkt abbügeln. Eine Profiliga bietet die Chance deutsche Spieler durch größere Medienpräsenz interessanter zu machen. Vor allem mit einem Patrick Esume als Zugpferd an seiner Spitze. „Coach“-Esume ist ja mittlerweile durch seine Fernsehauftritte nicht nur in Football-Kreisen bekannt.

Wo ist der Unterschied zu den bisherigen Versuchen NFLE und AFLE?

Die NFLE hatte ein ganz anderes Konzept. Hier wurden Spieler aus den USA geholt und die Teams mit einigen wenigen „Nationals“ aufgefüllt. Bei der ELF dagegen soll bis auf zwei Importspielern nur mit heimischen Spielern gespielt werden. Wobei ich mir nicht sicher bin ob das mit den zwei Importspielern für den ganzen Kader gilt oder wie in der GFL das nur zwei gleichzeitig auf dem Platz stehen dürfen. Zudem dürften die Gehälter in der ELF deutlich niedriger sein als in der NFLE. In der AFLE wurde zwar auch mehr auf heimische Spieler gesetzt aber die Serie lief zu einer Zeit ohne Facebook und Co. Heute ist die Resonanz viel größer und American Football erfährt jetzt eine ganz andere Reichweite. Mit American Football wird eine bestimmte Message transportiert die vor allem junges Publikum ansprechen soll.

Bisher ist für die Metropolregion Nordwest noch kein Team angedacht. Können Sie sich für die Zukunft ein Team in der Region vorstellen und was würde das für die VfL Oldenburg Knights bedeuten?

Wir beobachten ganz genau was passiert um nicht die zu sein die den Zug verpasst haben und um mitreden zu können. Noch ist nicht alles zu Ende gedacht aber wir werden das Ganze wohlwollend und ergebnisoffen prüfen ob das interessant ist für die Metropol Region Oldenburg/Bremen. Wenn ja werden wir ein Konzept erarbeiten und eine Machbarkeitsstudie machen um zu sehen ob es sinnvoll ist. So etwas machst du nicht von heute auf morgen. Vor 2022 wird es hier in der Region kein Profiteam geben. Wir wollen aber die Knights nicht schwächen. Im Gegenteil! Es ist weiterhin unser Ziel in die GFL aufzusteigen und uns dort zu etablieren. Aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Ideal wäre es mit den Knights in der GFL und einem Profiteam in der ELF als Zugpferd des American Football in der Region. Das Projekt geht nicht ohne die umliegenden Vereine. Die ELF braucht starke Amateurteams um die Spieler auszubilden. Das eine muss das andere befruchten.

Es gibt in Football Deutschland viel Kritik an dem Projekt. Woran liegt das?

Einige Mannschaften haben etwas Panik das ihnen die Spieler weglaufen. Vor allem an den Orten wo Teams gebildet werden sollen. Ganz unbegründet ist die Angst sicherlich nicht. Schließlich werden bei sieben deutschen Teams mehr als dreihundert Spieler benötigt die in der Lage sind auf hohem Niveau zu spielen und so groß ist das Reservoir an guten Spielern in Deutschland noch nicht. Wir müssen sehen das die Topteams in der GFL nicht ausgeraubt werden und stattdessen eine neue Zielgruppe gewinnen. Nicht jeder Spieler dürfte daran interessiert sein Privatleben und Beruf einer Profikarriere zu opfern während es für manch einen jetzt erst richtig interessant wird voll und ganz auf Football zu setzen. Auch halten manche das Projekt für eine Totgeburt da schon die beiden ersten Versuche einer Profiliga gescheitert sind. Ich sehe das nicht so. Die Zeiten haben sich geändert.

Neben der ELF sorgt noch ein weiterer Begriff derzeit für Gesprächsstoff: RESTART21. Was steckt dahinter?

Das ist ein Zusammenschluss mehrerer Funktionäre die einen grundlegenden Wandel im deutschen Football anstreben und den bestehenden Bundesvorstand des American Football Verbandes Deutschland ablösen wollen. Präsident Robert Huber ist mittlerweile seit 23 Jahren im Amt. Vielleicht wird es ja Zeit für frisches Blut. Wir von den Oldenburg Knights stehen der Sache allerdings neutral gegenüber.