Eine Niederlage die sich wie ein Sieg anfühlt

Es wäre zu schön gewesen, wenn die VfL Oldenburg Knights ausgerechnet in ihrer Jubiläumssaison den Aufstieg in die GFL2 geschafft hätten. Aber es sollte nicht sein. Mit 16:19 unterlag man vor 921 Zuschauern im heimischen Marschweg Stadion den favorisierten Favoriten Assindia Cardinals denkbar knapp. Trotz des verpassten Aufstiegs gab es für die Gastgeber keinen Grund mit gesenkten Köpfen vom Feld zu schleichen, war man doch zuvor einem personell deutlich besser aufgestelltem Team aus Essen auf Augenhöhe gegenübergetreten und hatte diese an den Rand einer Niederlage gebracht. „Diese Niederlage fühlt sich wie ein Sieg an. Wir haben mit stark dezimierter Offense einem bundesligatauglichem Team die Stirn geboten und auf Augenhöhe gespielt. Gerade in der Aufstiegsrunde hat sich allerdings gezeigt, dass es uns derzeit noch an Tiefe im Kader fehlt. Da sind Essen und Berlin deutlich besser aufgestellt. Aber heute hat auch der Letzte gesehen welch ein Potential in der Mannschaft steckt und wo die Reise für die Knights nächste Saison hin geht“, so Sportdirektor Holger Völling nach der wohl besten Saisonleistung seines Teams.

Das hatten wohl auch die Zuschauer so gesehen, die ihr Team so lautstark wie nie zuvor nach vorne trieben. „So ein Alarm habe ich diese Saison noch nicht im Marschwegstadion gesehen. Die Jungs haben richtig Werbung für uns gemacht und ich bin mir sicher, dass die die heute im Stadion waren auch nächstes Jahr wiederkommen werden. Ich freue mich schon jetzt riesig auf die neue Saison“, zeigte sich Völling begeistert vom lautstarken Einsatz der Zuschauer.


Dass die Knights ausgerechnet im letzten Spiel des Jahres zu Höchstform auflaufen würde war mit Blick auf die Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Als wenn die Offense nicht schon genug gebeutelt gewesen wäre so musste kurzfristig auch noch Rudolf Henne krankheitsbedingt absagen. Auch die Hoffnung von Quarterback Justus Marterer rechtzeitig zum Spiel wieder fit zu sein erfüllte sich nicht. So musste der erfahrene Christoph Oetken erstmals seit A-Jugendzeiten wieder auf der Position des Spielmachers ran. „Er hat in dieser Woche zum ersten Mal seit Jahren wieder auf dieser Position trainiert und hat seine Sache gut gemacht. Obwohl wir der Außenseiter waren haben die Jungs voll auf Aufstieg gespielt. Das macht mich unheimlich stolz“, lobt Völling sein Team, das vor allem auch in der Abwehr Schwerstarbeit zu verrichten hatte.

So konnte die Oldenburger Defense auch fast ein ganzes Viertel lang dem Ansturm der Gäste standhalten. Erst kurz vor Ende des ersten Viertels mussten sie sich erstmals geschlagen geben, so dass mit 0:6 erstmals die Seiten gewechselt wurden. Aber schon kurze Zeit später gelang Jannik Birk mit einem Fieldgoal der erste Oldenburger Punktgewinn. Das zweite Viertel stand dann im Zeichen zweier starker Abwehrreihen. So ging es mit 3:6 in die Kabinen. Den besseren Start in die zweite Halbzeit erwischten die Gäste die gleich zu Beginn des dritten Viertels auf 13:6 erhöhen konnten. Damit war der Aufstieg zunächst einmal in weite Ferne gerückt.

Vier Touchdowns gegen die starke Essener Defense in nicht einmal einer vollen Halbzeit das schien fast unmöglich. Aber die Gastgeber gaben sich nicht geschlagen und was den anderen Teams in dieser Saison nicht gelungen war sollte auch den Cardinals nicht gelingen: Johann Kruthaup komplett aus dem Spiel zu nehmen. Zwei Touchdowns hatte er im Schnitt in dieser Saison pro Spiel erzielt und diesen Schnitt lies er sich auch von der Essener Defense nicht kaputt machen, so dass die Knights Mitte des letzten Viertels auch dank eines Extrapunktes von Birk erstmals mit 16:13 in Führung gingen. Nun kochte das Marschweg Stadion. Die Knights gingen jetzt volles Risiko, aber wurden nicht dafür belohnt. Im Gegenteil. Kurz vor Ende des Spiels konnten die Gäste doch noch einen Touchdown erzielen und so mit zwei Siegen die Aufstiegsrunde für sich entscheiden. Für die Knights heißt es nun den Kader weiter gezielt zu verstärken um im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu starten. „Es ist vielleicht gar nicht so schlecht uns erst noch ein wenig mehr zu stabilisieren und auf hohem Niveau zu spielen bevor wir aufsteigen“, kann der Sportdirektor durchaus mit einer weiteren Saison in der dritten Liga leben.

Fotos: Dennis Leskys, Oldenburg Knights